Alexis Ponce: „In Ecuador wollen sie aus dem medizinischen Cannabis ein unternehmensbezogenes Geschäft machen“

Alexis Ponce: „In Ecuador wollen sie aus dem medizinischen Cannabis ein unternehmensbezogenes Geschäft machen“

Durch: Teresa Garcia Aktivismus

Schon seit Juni kann man in Ecuador Cannabis für therapeutische und industrielle Zwecke herstellen und vertreiben. Was den Konsum anbelangt, so wartet man auf die Reform des ecuadorianischen Strafgesetzbuches (Código Orgánico Integral Penal, COIP). Seitens des Landwirtschaftsministeriums des Landes war der 21. Juni als Vorstellungstermin des neuen Gesetzes für medizinisches Cannabis vorgesehen, so verkündete es in einer Pressekonferenz im Mai Andrés Luque, der stellvertretende Leiter der Abteilung für Landwirtschaftliche Produktion dieses Ministeriums. Mit diesem Gesetz wird das Amt den Prozess der Erteilung von Lizenzen für die Einfuhr und die Produktion von Samen in Gang setzen, so wie auch für die Aussaat und den Anbau für Forschung, Verarbeitung, Industrialisierung, Export und Vertrieb von Cannabis-Biomasse — ein Abfallprodukt von Cannabis, das nicht als Nahrungsmittel verwendet wird — oder von nicht psychotropem Cannabis-Rohöl.

Alexis Ponce: „In Ecuador wollen sie aus dem medizinischen Cannabis ein unternehmensbezogenes Geschäft machen“

Aber die Gesetzesreform zur Regulierung des Konsums von medizinischem Cannabis kommt mit einem gewaltigen Schönheitsfehler in Bezug auf die Rechte der Konsumenten zur Welt: sie konzentriert sich mehr auf die Unternehmen und die wirtschaftlichen Gewinne als auf die Rechte der Nutzer. Der stellvertretende Leiter der Abteilung für landwirtschaftliche Produktion des Landwirtschaftsministeriums stellte in seiner letzten Mitteilung klar, dass der Eigenanbau von medizinischem Cannabis nicht erlaubt werden würde, wobei er behauptete, dass seine Kontrolle wegen der Ähnlichkeit zwischen nicht psychotropem Cannabis — mit einem THC-Anteil der getrockneten Pflanze von unter einem Prozent — und psychotropem Cannabis unmöglich wäre. „In einem Haus mit Garage ist es schwierig, von außen visuell festzustellen ob eine Pflanze psychotrope Inhaltsstoffe besitzt oder nicht, ihr Erscheinungsbild ist identisch“, sagte der stellvertretende Leiter. Er spezifizierte auch, dass die Lizenzen für Anbau, Herstellung und Vertrieb von medizinischem Cannabis nur von juristischen Personen beantragt werden könnten, von öffentlichen Körperschaften, Kooperativen und von Vereinigungen mit Sitz in Ecuador, um „Unrechtmäßigkeiten“ zu vermeiden.

„Am 19. Dezember, als die Entkriminalisierung des medizinischen Cannabis in Kraft trat, haben sie uns hinausgeworfen, weil sie aus der Sache ausschließlich ein unternehmensbezogenes Geschäft machen wollten“, erklärt Alexis Ponce, Sprecher der Vereinigung von Patienten und Familien für medizinisches Cannabis in Ecuador, dessen Tochter unter dem Angelman-Syndrom leidet.

 

Alexis Ponce: „In Ecuador wollen sie aus dem medizinischen Cannabis ein unternehmensbezogenes Geschäft machen“
Alexis Ponce y familia. Imagen „El Comercio“

 

Es war genau diese Organisation, die die Gesetzesreform zur Legalisierung von medizinischem Cannabis in Ecuador vorantrieb, ein Prozess, der 2016 damit begann, dass Nelly Valbuena, Krebspatientin und Ehefrau von Ponce, dem ecuadorianischen Ombudsmann (Defensor Público General) eine Reform des Strafgesetzbuches vorschlug, welche die medizinische und schmerzlindernde Nutzung von Cannabis legalisierte. „

Im Jahr 2017 nahmen wir den öffentlichen Kampf auf, nicht weil wir es wollten, wir waren keine Konsumenten, aber weil wir Familienangehörige von Krebspatienten waren“, erklärt Ponce, der darauf hinweist, dass aus den paar Dutzend Familien, die sich Mitte 2018 diesem Kampf anschlossen, als die Vereinigung von Patienten und Familien für medizinisches Cannabis in Ecuador geboren wurde, mittlerweile Tausende geworden sind.

 

 

Ponce ist seit 30 Jahren Menschenrechtsaktivist und war auch Teil des Prozesses, der 1997 zur Entkriminalisierung der Homosexualität führte. „Wir wendeten dieselbe Kampfstrategie an… “, führt er aus, „… wir sagten uns, dass man sich für einen erfolgreichen Kampf in der Gesellschaft erheben muss, in der man lebt.“ Er erklärt, dass es ihnen, obwohl in Ecuador bereits soziale Bewegungen existiert hatten und existieren, die für die Legalisierung aller Anwendungsbereiche des Cannabis kämpfen, bewusst war, dass der Kampf Schritt für Schritt geführt werden musste. „Man muss im Einklang mit der Gesellschaft kämpfen, in der man sich befindet, und die Chance, die diesem Kampf hier mehr Kraft verlieh, war der Schmerz“, fügt er hinzu, wobei er beklagt, dass diese Entscheidung dazu führte, dass sich viele Intellektuelle der Cannabis-Szene gegen sie stellten. „Sie hielten unseren Kampf für rückständig, aber wir ließen uns von unserem Weg nicht abbringen und setzten unsere Strategie fort, wir werden nicht weiter auf die Straße rauchen gehen, das sollen andere machen; wir sind Väter und Mütter von Kindern mit gesundheitlichen Problemen: Epilepsie, Krebs, Fibromyalgie. Unsere Argumentation war ethischer Natur und konnte von den Machthabern nicht angefochten werden, denn unser Leben hing davon ab.“

Der Aktivist erinnert sich, dass sie jede Woche, die verging, ohne dass ihre Forderung nach einer Regulierung des medizinischen Cannabis Gehör fand, der Regierung die Krankenberichte jener Patienten zukommen ließen, die im Sterben lagen und medizinisches Cannabis benötigten. „Alle können warten, aber wir nicht; unser Leben, unser Schmerz und die menschliche Würde unserer Familien hängen davon ab, und nicht einmal das Recht auf ein würdiges Leben, das bereits in der Verfassung verankert ist, sondern auf ein würdiges Sterben, was nicht berücksichtigt ist.“

Ponce wurde im Mai 2019 gemeinsam mit 14 weiteren Mitgliedern der Vereinigung von Patienten und Familien für medizinisches Cannabis in Ecuador eingeladen, vor der Parlamentarischen Gesundheitskommission Ecuadors (Comisión de Salud de la Asamblea Nacional de Ecuador) im Rahmen einer Debatte über die Annahme eines gesetzlichen Reformpakets — welches auch die letztlich am 17. September angenommene Legalisierung von therapeutischem Cannabis enthielt — zu sprechen. „Schon am 19. wollten uns sowohl die Massenmedien als auch der Staat mit Fußtritten aus der Erinnerung verjagen.“

Alexis Ponce: „In Ecuador wollen sie aus dem medizinischen Cannabis ein unternehmensbezogenes Geschäft machen“
Alexis Ponce. Imagen „El Comercio“

 

Ponce weist darauf hin, wie die Regierung in der Nacht vor dem Inkrafttreten der Reform des Strafgesetzbuches, die den therapeutischen Konsum erlaubte, für diesen zweiten Moment, also die Regulierung der Produktion und des Vertriebs, den Industriehanf mit in den Entwurf nahm.

„Sie haben das Populäre und das Demokratische, das für das medizinische Cannabis angestrebt war, verbannt, weil sie bereits am Geschäft interessiert waren“, erklärt der Aktivist.

Seitens seiner Organisation wurde die fehlende Transparenz rund um die Erstellung der für den 21. Juni vorgesehenen Regelung angeprangert und Ponce legt dar, wie sich das Landwirtschaftsministerium schließlich gezwungen sah, allen Cannabis-Gruppierungen, auch jener der Familienangehörigen der Patienten, die Einsicht zu gewähren, und Ponce konnte feststellen, dass der Entwurf vorsieht, dass die Anbaulizenzen nicht an Einzelpersonen vergeben werden können und dass noch dazu als Voraussetzung für die Vergabe einer Lizenz an eine Firma aus Ecuador genannt wurde, dass diese ein Kooperationsabkommen mit einer ausländischen Firma vorweisen können muss. „Wir sind mit allem einverstanden, das nicht bedeutet, dass man uns ein X für ein U vormacht, mit einer Regulierung, die nicht bedeutet, dass sie Familien wie die unsrige ausnutzen oder unseren Schmerz ausnutzen und davon leben“, betont Ponce.

Und es ist nämlich so, dass die wirtschaftlichen Gewinne aus der Regulierung des medizinischen Cannabis für die Regierung der Hauptgrund zur Beschlussfassung waren, jetzt noch mehr, in Anbetracht der Corona-Pandemie. „

Die industrielle und medizinische Cannabis-Industrie ist eine große Chance für das Land und wird Tausende von Arbeitsplätzen und Dollars hervorbringen“, verkündete der Produktionsminister Iván Ontaneda am 12. Mai über seinen Twitter-Account.

Derselbe Ontaneda erklärte am 31. Mai gegenüber der ecuadorianischen Tageszeitung El Comercio, dass schon mehrere nationale und internationale Unternehmen ihr Interesse bekundet hätten, in den Hanfanbau und die Hanfindustrialisierung im Land zu investieren, aber dass sie weiterhin die Ausformulierung der gesetzlichen Rahmenbedingungen erwarteten.

„Sie können verbieten was sie wollen, sie haben schon das medizinische Cannabis verboten und wir haben uns nicht darum geschert. In unserer Organisation gibt es Leute, die sich ihre Tropfen aus Charlotte in den Vereinigten Staaten holen, was sehr teuer ist, und einfache Familien, die anbauen. Und wenn eine Familie anbauen muss, um sich ihre Tropfen zu machen, dann verliert sie keine Zeit damit darüber nachzudenken, ob das verboten ist oder nicht, sie tut es und aus“, folgert Ponce.

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